Verlusten aus der Vermietung Finanzgericht M√ľnster, 14 K 324

Neue Urteile und Rechte

Verlusten aus der Vermietung Finanzgericht M√ľnster, 14 K 324

Beitragvon Klaus am Fr 24. Okt 2008, 09:55

Finanzgericht M√ľnster, 14 K 3244/05 E
Datum: 09.11.2006
Gericht: Finanzgericht M√ľnster
Spruchkörper: 14. Senat
Entscheidungsart: Urteil
Aktenzeichen: 14 K 3244/05 E
Tenor:

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger.

Gr√ľnde
1

I.
2

Die Beteiligten streiten √ľber die Anerkennung von Verlusten aus der Vermietung einer Ferienwohnung f√ľr das Streitjahr 2003.
3

Die Kl√§ger sind gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagte Ehegatten. Sie schlossen sich im Jahre 1990 zu einer Gesellschaft b√ľrgerlichen Rechts (GbR) zusammen. Die GbR vermietete zun√§chst zwei Eigentumswohnungen auf der Insel Z. (A.-str. 01, Wohnung 2 und 3) und erkl√§rte hieraus f√ľr die Jahre 1990 bis 1993 Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung.
4

Im Jahr 1990 erwarben die Kl√§ger zwei noch zu errichtende H√§user (Doppelhaus) in der S.-stra√üe 02 und 03 auf Z.. Laut Vertrag vom 8. Dezember 1990 war die Fertigstellung der Objekte bis zum 31. August 1991 vorgesehen. In den Objekten befinden sich je zwei Ferienwohnungen f√ľr zwei bis vier Personen (S.-stra√üe 02: Wohnung 1 und 2; S.-stra√üe 03: Wohnung 3 und 4). Die Wohnungen im Erdgeschoss sind je 42 m¬≤ (Wohnung 1 und 3), die im Obergeschoss je 59 m¬≤ (Wohnung 2 und 4) gro√ü. Die Wohnungen sind gleich ausgestattet.
5

Am 16. Oktober 1991 schlossen die Kl√§ger mit der F. Verwaltungs-GmbH (X.) einen sog. Vermietungs-Vermittlungs-Vertrag f√ľr das Objekt S.-stra√üe 02. Der Vertrag enth√§lt in ¬ß 6 eine Regelung zur Eigennutzung. Am 1. November 1992 schlossen die Kl√§ger mit der F. Verwaltungs-GmbH einen im Wesentlichen inhaltsgleichen Vertrag f√ľr das Objekt S.-stra√üe 03. Die F. Verwaltungs-GmbH hat ihre unternehmerische T√§tigkeit zum 31. Mai 1993 eingestellt. Die Kl√§ger vermarkten das Objekt seither selbst mit Hilfe von Brosch√ľren, Prospekten und des Internets (http://www................de).
6

Die GbR erkl√§rte im Rahmen der Erkl√§rungen zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 1991 erstmals Eink√ľnfte aus der Vermietung des Objektes S.-stra√üe 02. Ab 1992 erkl√§rte sie auch entsprechende Eink√ľnfte aus der Vermietung des Objektes S.-stra√üe 03. Bis einschlie√ülich 1999 ergingen jeweils Bescheide √ľber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f√ľr die GbR. Ab 2000 erfolgte die Erfassung der Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung unmittelbar im Rahmen der Einkommensteuerveranlagungen der Kl√§ger.
7

Die Eink√ľnfte aus der Vermietung und Verpachtung des Objektes S.-stra√üe entwickelten sich wie folgt (Angaben in DM ‚Äď gem. Kontrollblatt Verwaltungsakten, *lt. Erkl√§rung):
8

1991 1992 1993 1994 1995 1996
9

- ...... +...... -....... - ...... - ............ - ............
10

(-.......)* (-.......)*
11

1997 1998 1999 2000 2001 2002
12

- ...... - ........... - ...... - ......... - ...... - ......... EUR
13

Danach ergibt sich in den Jahren 1991 bis 2002 ein Verlust von insgesamt .......... DM (g√ľnstigstenfalls: ......... DM).
14

Die Belegungssituation der Wohnungen in der S.-straße gestaltete sich in den Jahren 2000 bis 2003 folgendermaßen:
15

Nutzungstage
16

2000 2000 2001 2001 2002 2002 2003 2003
Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand
Whg 1 168 197 146 219 158 207 211 154
Whg 2 66 299 48 317 52 313 33 332
Whg 3 117 248 154 211 118 247 184 181
Whg 4 155 210 130 235 131 234 148 217
17

Angaben in Prozent
18

2000 2000 2001 2001 2002 2002 2003 2003
Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand Vermietet Leerstand
Whg 1 46,03 53,97 40,00 60,00 43,29 56,71 57,81 42,19
Whg 2 18,08 81,92 13,15 86,85 14,25 85,75 9,04 90,96
Whg 3 32,05 67,95 42,19 57,81 32,33 67,67 50,41 49,59
Whg 4 42,47 57,53 35,62 64,38 35,89 64,11 40,55 59,45
19

F√ľr das Streitjahr 2003 erkl√§rte die GbR einen Verlust aus der Vermietung und Verpachtung der Objekte S.-stra√üe in H√∂he von .......... EUR.
20

Im Einkommensteuerbescheid 2003 vom 2. Dezember 2004, ge√§ndert mit Bescheid vom 10. M√§rz 2005, ber√ľcksichtigte der Beklagte lediglich einen Verlust aus der Vermietung und Verpachtung der Objekte S.-stra√üe in H√∂he von ........ EUR. Er unterstellte, dass die Wohnung 2 von den Kl√§gern privat genutzt werde und meinte, dass die Eink√ľnfte aus der Wohnung 2 mangels √úberschusserzielungsabsicht nicht anzuerkennen seien. Insoweit lie√ü der Beklagte die Einnahmen aus der Vermietung der Wohnung 2 (........ EUR) unber√ľcksichtigt und ging von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung in H√∂he von insgesamt ......... EUR aus. Werbungskosten ber√ľcksichtigte er in H√∂he von ......... EUR. Die nichtabzugsf√§higen Werbungskosten f√ľr die Wohnung 2 beliefen sich auf .......... EUR (Schuldzinsen ......... EUR, sonstige Werbungskosten .......... EUR, AfA ‚Ķ‚Ķ‚Ķ.. EUR).
21

Der hiergegen gerichtete Einspruch der Kläger blieb ohne Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 8. Juli 2005).
22

Ihre Klage begr√ľnden die Kl√§ger im Wesentlichen wie folgt:
23

Der Beklagte gehe fehlerhaft davon aus, dass die Wohnung 2 privat genutzt werde. Alle Wohnungen w√ľrden ausschlie√ülich an wechselnde Ferieng√§ste vermietet. Ihre
24

- der Kl√§ger - eigenen Besuche und Aufenthalte in der Wohnung 2 dienten allein der Organisation von Mieterwechseln, der Beseitigung von Mietsch√§den und der Durchf√ľhrung von Wartungs- und Pflegearbeiten. Eine unentgeltliche √úberlassung an Angeh√∂rige oder eine private Nutzung habe zu keinem Zeitpunkt stattgefunden. Auch h√§tten sie sich keine private Nutzung vorbehalten.
25

Die Wohnung 2 diene haupts√§chlich zur Abwicklung der Mieterwechsel sowie der Lagerung von Materialien f√ľr die Reinigung bzw. die Instandhaltung der Wohnungen. Sie werde zum Auffangen von Belegungs√ľberh√§ngen vermietet. Die Wohnung sei nicht auf ihre - der Kl√§ger - Wohnbed√ľrfnisse zugeschnitten und stehe jederzeit f√ľr die Unterbringung von Ferieng√§sten zur Verf√ľgung.
26

Bei einer ausschlie√ülich an wechselnde Ferieng√§ste erfolgenden Vermietung sei ‚Äď ohne weitere Pr√ľfung ‚Äď von einer √úberschusserzielungsabsicht auszugehen. Dies gelte unabh√§ngig davon, ob die Ferienwohnung in Eigenregie oder durch Einschalten eines fremden Dritten vermietet werde. Zwar obliege grunds√§tzlich dem Steuerpflichtigen die Darlegungslast dazu, dass die Vermietung ausschlie√ülich an Ferieng√§ste erfolge. Hiervon k√∂nne jedoch ausgegangen werden, wenn die Dauer der Vermietung der Ferienwohnung zumindest dem Durchschnitt der Vermietungen in der am Ferienort √ľblichen Saison entspreche. Erst wenn die orts√ľbliche Vermietungszeit erheblich, d.h. um mindestens 25 % unterschritten werde, gelte diese Vermutung nicht mehr. Dies entspreche der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes ebenso wie der Auffassung der Finanzverwaltung (BMF Schreiben vom 8. Oktober 2004).
27

Aus der Beherbergungsstatistik des Nieders√§chsischen Landesamtes f√ľr Statistik ergebe sich f√ľr die Insel Z. f√ľr den Zeitraum 2000 bis 2003 eine durchschnittliche Vermietungsdauer von:
28

2000: 54 Tage 2001: 55 Tage 2002: 57 Tage 2003: 57 Tage
29

Nach Auskunft des Nieders√§chsischen Landesamtes f√ľr Statistik seien die Belegungstage anhand der Formel
30

360 x durchschnittliche Bettenauslastung in % ______________________________________ 100
31

zu ermitteln. Danach betrage die durchschnittliche Belegung:
32

2000: 82 Tage 2001: 73 Tage 2002: 64 Tage 2003: 79 Tage
33

Die Wohnung 2 sei in dieser Zeit wie folgt vermietet gewesen:
34

2000: 66 Tage 2001: 48 Tage 2002: 52 Tage 2003: 33 Tage
35

Die schwache Auslastung 2003 ergebe sich aus dem schlechten Sommer des Jahres 2002, der zu einer zur√ľckhaltenden Buchung im Folgejahr gef√ľhrt habe.
36

Insgesamt sei damit nachgewiesen, dass die Wohnung 2 nicht erheblich unterdurchschnittlich belegt gewesen sei.
37

Selbst wenn man die durchschnittliche Vermietung der Wohnung 2 mit der der √ľbrigen Wohnungen vergleiche, ergebe sich keine erhebliche Abweichung:
38

durchschn. Verm. Whg 2 in Prozent
39

2000 127 Tage 66 Tage 52
2001 120 Tage 48 Tage 40
2002 115 Tage 52 Tage 45
2003 144 Tage 33 Tage 23
40

Ungeachtet dessen weise auch die Prognoserechnung f√ľr die Wohnung 2 eine √úberschusserzielungsabsicht nach. Aufgrund des Wegfalls der Fremdfinanzierungskosten ab dem Jahr 2004/2005 seien die Ertragsaussichten bei leicht steigenden Ums√§tzen deutlich verbessert. Au√üerdem erfolge die Vermietung der Wohnungen ab 2004 gleichm√§√üig.
41

Der Prognoserechnung der Kl√§ger f√ľr die Wohnung 2 liegen folgende Angaben zu Grunde (Angaben in EUR)
42

Mieteinnahmen 30 Jahre Summe
43

140 Tage x ... .......
44

Sicherheitszuschlag 10 v.H. ......
45

........
46

Ausgaben
47

Zinsen 2003 + 2004 ......
48

Erhaltungsaufwand
49

.... x 59 m² = ...... ......
50

Schönheitsreparaturen
51

.... x 59 m²= ...... ......
52

sonst. Kosten ......
53

lineare AfA ..... ......
54

Kosten Vermietung ......
55

.......
56

Sicherheitsabschlag 10 v.H. ......
57

..........
58

_______________________________________________________________
59

Total√ľberschuss ..........
60

Die Kläger beantragen,
61

den Einkommensteuerbescheid 2003 vom 10. M√§rz 2005 und die Einspruchsentscheidung vom 8. Juli 2005 zu √§ndern und die Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung unter Ber√ľcksichtigung der Wohnung Nr. 2 in dem Objekt S.-stra√üe 02 auf Z. zu ber√ľcksichtigen,
62

hilfsweise, die Revision zuzulassen.
63

Der Beklagte beantragt,
64

die Klage abzuweisen.
65

Er ist der Auffassung: Die Kläger seien den Nachweis, dass ihre Aufenthalte nicht der Selbstnutzung dienten, schuldig geblieben. Die hierzu gemachten Angaben seien zu allgemein.
66

Der Vergleich mit den Vermietungstagen der anderen Wohnungen ergebe, dass die Vermietung der Wohnung 2 um mehr als 50% abweiche. Soweit die Kl√§ger auf die Daten des Nieders√§chsischen Landesamtes f√ľr Statistik abstellten, lie√üen sie unbeachtet, dass es sich bei den dort aufgef√ľhrten Werten um die Anzahl der ge√∂ffneten Betriebe und nicht um die Anzahl der Vermietungstage handele. Das Nieders√§chsische Landesamt f√ľr Statistik habe au√üerdem mitgeteilt, dass f√ľr Inhaber von Ferienh√§user keine Berichtspflicht bestehe. Die Informationen stammten allein aus den Gewerbeanmeldungen bei der Stadt. Private Vermieter hingegen seien dort nicht gemeldet, so dass die von den Kl√§gern herangezogenen Vergleichszahlen keine Aussagekraft h√§tten.
67

Die von den Kl√§gern ermittelten Durchschnittswerte f√ľr die Vermietung der Wohnungen seien unzutreffend, da sie die Vermietungstage der Wohnung 2 enthielten. Zutreffend seien folgende Werte zugrunde zu legen:
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durchschn. Verm. Whg 2 in Prozent
69

2000 146 Tage 66 Tage 45
2001 158 Tage 48 Tage 30
2002 135 Tage 52 Tage 38
2003 181 Tage 33 Tage 18
70

Auch könne der vorgelegten Prognoserechnung nicht gefolgt werden. Der Prognosezeitraum beginne mit der Anschaffung der Objekte. Zudem sei nicht ersichtlich, warum die Kläger von steigenden Mieteinnahmen (........ EUR pA.) ausgingen.
71

Der Senat hat am 9. November 2006 m√ľndlich verhandelt. Wegen des Ergebnisses wird auf die Sitzungsniederschrift verwiesen.
72

II.
73

Die Klage ist unbegr√ľndet.
74

Der Beklagte hat im Ergebnis zu Recht die Überschusserzielungsabsicht der Kläger in Bezug auf die Wohnung 2 im Objekt S.-straße 02 verneint und die Verluste aus Vermietung und Verpachtung entsprechend niedriger festgesetzt.
75

Bei der Ermittlung des Einkommens f√ľr die Einkommensteuer sind nur solche positiven oder negativen Eink√ľnfte anzusetzen, die unter die Eink√ľnfte des ¬ß 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 7 EStG fallen. Kennzeichnend f√ľr diese Einkunftsarten ist, dass die ihnen zugrunde liegenden T√§tigkeiten oder Verm√∂gensnutzungen der Erzielung positiver Eink√ľnfte dienen (vgl. z. B. BFH Urteil vom 6. November 2001 IX R 97/00, BStBl II 2002, 726).
76

Bezogen auf die Einkunftsart Vermietung und Verpachtung folgt hieraus, dass eine Vermietungst√§tigkeit nur dann dieser Einkunftsart zuzurechnen ist, wenn der Vermieter die Absicht hat, auf die Dauer der Verm√∂gensnutzung einen Total√ľberschuss der Einnahmen √ľber die Werbungskosten zu erwirtschaften (z. B. BFH-Urteil vom 5. September 2000 IX R 33/97, BFHE 192, 559, BStBl II 2000, 676,). Die √úberschusserzielungsabsicht kann erst nachtr√§glich einsetzen und auch wieder wegfallen (BFH-Urteil vom 31. M√§rz 1987 IX R 112/83, BFHE 150, 325, BStBl II 1987, 774, m. w. N.).
77

Bei einer auf Dauer angelegten Vermietungst√§tigkeit nimmt die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes grunds√§tzlich an, dass die Steuerpflichtigen beabsichtigen, letztlich einen Einnahme√ľberschuss zu erwirtschaften, und zwar selbst dann, wenn sich √ľber l√§ngere Zeitr√§ume Werbungskosten√ľbersch√ľsse ergeben (BFH-Urteil vom 30. September 1997 IX R 80/94, BFHE 184, 406, BStBl II 1998, 771).
78

Diese Erw√§gungen gelten grunds√§tzlich auch in Bezug auf Ferienwohnungen, die von den Steuerpflichtigen ausschlie√ülich an wechselnde Ferieng√§ste vermietet und in der √ľbrigen Zeit hierf√ľr bereitgehalten werden (z. B. BFH-Urteil vom 21. November 2000 IX R 37/98, BFHE 193, 479, BStBl II 2001, 705, m. w. N.). Dabei ist es unerheblich, ob die Steuerpflichtigen die Ferienwohnung in Eigenregie vermieten (s. dazu BFHE 193, 479, BStBl II 2001, 705, m. w. N.) oder mit der Vermietung einen Dritten beauftragen.
79

Nutzen die Steuerpflichtigen die Ferienwohnung indes auch selbst oder behalten sie sich (z. B. bei der Vermietung durch einen Dritten) vor, die Ferienwohnung auch selbst zu nutzen, gelten die dargestellten Grunds√§tze nicht. Vielmehr ist das Vorhandensein einer √úberschusserzielungsabsicht zu pr√ľfen. Eine entsprechende Absicht kann als sog. innere Tatsache nur anhand √§u√üerer Merkmale beurteilt werden. Aus objektiven Umst√§nden muss auf das Vorliegen oder Fehlen der Absicht geschlossen werden (z. B. Urteil in BFHE 192, 559, BStBl II 2000, 676 m. w. N.). Entscheidend ist, ob die Vermietungst√§tigkeit bei objektiver Betrachtung einen Total√ľberschuss erwarten l√§sst. Ist dies zu verneinen, k√∂nnen die Steuerpflichtigen gleichwohl nachweisen, dass sie zum ma√ügeblichen Zeitpunkt (Beginn der Vermietung) die objektiven Gegebenheiten verkannt und erwartet haben, zun√§chst angefallene Werbungskosten√ľbersch√ľsse w√ľrden im Laufe der T√§tigkeit durch Einnahme√ľbersch√ľsse ausgeglichen und insgesamt werde ein positives Gesamtergebnis erzielt (vgl. BFH-Beschluss vom 28. M√§rz 2000 X B 82/99, BFH/NV 2000, 1186). Die Steuerpflichtigen, die f√ľr das Vorhandensein der √úberschusserzielungsabsicht die Feststellungslast tragen, m√ľssen hierzu die objektiven Umst√§nde vortragen, aufgrund derer sie im Beurteilungszeitraum erwarten konnten, einen Gesamt√ľberschuss zu erzielen (vgl. BFH-Urteil vom 7. Dezember 1999 VIII R 8/98, BFH/NV 2000, 825 m. w. N.); schon das Streben nach einem nur "bescheidenen √úberschuss" reicht aus (z. B. BFH-Urteil vom 15. Dezember 1999 X R 23/95, BFHE 190, 460, BStBl II 2000, 267).
80

Ob die Vermietungst√§tigkeit einen Total√ľberschuss erwarten l√§sst, h√§ngt von einer unter Heranziehung aller objektiv erkennbaren Umst√§nde zu treffenden Prognose √ľber die voraussichtliche Dauer der Verm√∂gensnutzung, die in dieser Zeitspanne voraussichtlich erzielbaren steuerpflichtigen Ertr√§ge und anfallenden Werbungskosten ab (vgl. BFH-Urteil vom 9. Mai 2000 VIII R 77/97, BFHE 192, 445, BStBl II 2000, 660 m. w. N.). Zuk√ľnftig eintretende Faktoren sind in die Beurteilung nur einzubeziehen, wenn sie bei objektiver Betrachtung vorhersehbar waren (BFH Urteil in BFHE 190, 460, BStBl II 2000, 267). Die Verh√§ltnisse eines bereits abgelaufenen Zeitraums k√∂nnen wichtige Anhaltspunkte liefern (BFH Urteil in BFHE 192, 445, BStBl II 2000, 660 m. w. N.). Dies gilt umso mehr, wenn die zuk√ľnftige Bemessung eines Faktors unsicher ist (BFH Urteil in BFHE 190, 460, BStBl II 2000, 267).
81

Der Prognosezeitraum ist - wenn sich nicht aus objektiven Umst√§nden eine Befristung der Nutzung und damit ein k√ľrzerer Zeitraum ergibt - typisierend mit 30 Jahren zugrunde zu legen (vgl. z.B. BFH Urteil vom 6. November 2001 IX R 97/00, BStBl II 2002, 726).
82

Die im Prognosezeitraum voraussichtlich zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben sind zu sch√§tzen. Soweit die Steuerpflichtigen f√ľr diese Sch√§tzung keine ausreichenden objektiven Umst√§nde √ľber eine bereits im Veranlagungszeitraum ersichtliche zuk√ľnftige Entwicklung der Mieteinnahmen und Werbungskosten vortragen, sind die zuk√ľnftig zu erwartenden Einnahmen und Werbungskosten anhand des Durchschnitts der in der Vergangenheit in einem bestimmten Zeitraum (in der Regel in den f√ľnf letzten Veranlagungszeitr√§umen) angefallenen Einnahmen und Werbungskosten zu sch√§tzen (vgl. insoweit zu den Grunds√§tzen der Sch√§tzung im Wege einer Prognose insbesondere BFH Urteil vom 6. November 2001 IX R 97/00, BStBl II 2002, 726).
83

Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes ‚Äď der sich der Senat anschlie√üt ‚Äď gilt der Grundsatz einer ohne weitere Pr√ľfung zu unterstellenden √úberschusserzielungsabsicht im Bereich der ohne Selbstnutzung vermieteten Ferienwohnung nicht (mehr) uneingeschr√§nkt. Vielmehr sieht der Bundesfinanzhof auch im Fall einer ausschlie√ülich an Ferieng√§ste vermieteten Wohnung die Zahl der Vermietungstage als durchaus entscheidungserheblich an (vgl. BFH Urteil vom 26. Oktober 2004 IX R 57/02, BStBl II 2005, 388). Das Vermieten - so der Bundesfinanzhof - einer Ferienwohnung sei einer auf Dauer angelegten Vermietung nur dann vergleichbar, wenn die Ferienwohnung im ganzen Jahr - bis auf die √ľblicherweise vorkommenden Leerstandszeiten - an wechselnde Ferieng√§ste vermietet werde. Nur so zeige sich auch in nachpr√ľfbarer Weise, dass die Steuerpflichtigen die Ferienwohnung in geeigneter Form am Markt angeboten und alle in Betracht kommenden Interessenten ber√ľcksichtigt h√§tten. Je mehr das Vermieten der Ferienwohnung die orts√ľblichen Vermietungszeiten unterschreite, umso mehr gewinne deshalb die Frage nach den Gr√ľnden des Leerstandes an Bedeutung. Daher sei beim Vermieten von Ferienwohnungen ‚Äď gleich ob in Eigenregie oder durch Beauftragung eines Dritten ‚Äď die Eink√ľnfteerzielungsabsicht der Steuerpflichtigen immer dann anhand einer Prognose nach den Grunds√§tzen der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (siehe Urteil in BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726) zu √ľberpr√ľfen, wenn das Vermieten die orts√ľbliche Vermietungszeit von Ferienwohnungen - ohne dass Vermietungshindernisse gegeben seien - erheblich unterschreite. Aus Vereinfachungsgr√ľnden und um den bei einer solchen Pr√ľfung gegebenen Unsicherheiten Rechnung zu tragen, sei die zur Prognose f√ľhrende Unterschreitensgrenze bei mindestens 25 % anzusetzen (vgl. BFH Urteil vom 26. Oktober 2004 IX R 57/02, BStBl II 2005, 388).
84

Bei Anwendung dieser Grunds√§tze auf den Streitfall kann nicht ohne Weiteres von einer √úberschusserzielungsabsicht der Kl√§ger in Bezug auf die Wohnung 2 ausgegangen werden. Vielmehr bedarf es der √úberpr√ľfung der √úberschusserzielungsabsicht im Wege einer entsprechenden Prognoserechnung.
85

Der Senat ist aufgrund der Darlegungen der Kl√§ger nicht davon √ľberzeugt, dass die Wohnung 2 ausschlie√ülich an wechselnde Ferieng√§ste vermietet worden ist. Insbesondere folgt er nicht der Behauptung der Kl√§ger, s√§mtliche Aufenthalte in der Wohnung 2 h√§tten allein der Durchf√ľhrung von Wartungsarbeiten bzw. der Organisation von Mieterwechseln gedient. Diese Behauptung widerspricht schon mit Blick auf die Einlassung des Kl√§gers in der m√ľndlichen Verhandlung, wonach die Insel Z. √ľber viele Jahre regelm√§√üiges Urlaubsziel der Kl√§ger gewesen ist, der allgemeinen Lebenserfahrung. Dass nach dem Erwerb der Wohnungen infolge der Arbeitsbelastung keine Urlaubsaufenthalte mehr auf der Insel stattgefunden haben sollen, √ľberzeugt den Senat nicht. Hinzu kommt, dass die Kl√§ger sich die Selbstnutzung der Wohnungen in den urspr√ľnglich mit der F. GmbH geschlossenen Vertr√§gen vorbehalten hatten. Au√üerdem l√§sst auch der Umstand, dass ausgerechnet eine von zwei gro√üen Wohnungen in der von den Kl√§gern dargestellten Art und Weise genutzt worden sein soll, Zweifel aufkommen.
86

Dar√ľber hinaus ist die √úberschusserzielungsabsicht der Kl√§ger aus einem weiteren Grund zu pr√ľfen. Denn selbst wenn die Wohnung 2 tats√§chlich ausschlie√ülich an Ferieng√§ste vermietet worden w√§re, k√∂nnte nicht ohne Weiteres das Vorliegen einer √úberschusserzielungsabsicht der Kl√§ger unterstellt werden, da die Vermietung der Wohnung 2 die Dauer der orts√ľblichen Vermietung erheblich, d.h. um mehr als 25 %, unterschreitet. Der Senat geht dabei von folgenden Vermietungstagen aus (Angaben in Tagen):
87

Whg 2 Whg 1, 3, 4 (Durchschnitt) Whg 4
88

2000 66 146 155
2001 48 143 130
2002 52 135 131
2003 33 181 148
89

Entgegen der Ansicht der Kl√§ger sind bei der Ermittlung des Vergleichswertes der orts√ľblichen durchschnittlichen Vermietungstage die Vermietungstage der Wohnung 2 nicht einzubeziehen. Vielmehr ist allein auf die durchschnittliche Vermietung der Wohnungen 1, 2 und 4 bzw. der ‚Äď gleichgro√üen ‚Äď Wohnung 4 abzustellen. Danach ergibt sich f√ľr die Wohnung 2 eine erheblich niedrigere, d. h. um mehr als 25 v. H. abweichende Anzahl an Vermietungstagen. Im √úbrigen ergeben selbst die von den Kl√§gern ermittelten Vergleichswerte (durchschnittliche Vermietung: 2000: 127 Tage, 2001: 120 Tage, 2002: 115 Tage, 2003: 144 Tage) eine erheblich abweichende Anzahl an Vermietungstagen in Bezug auf die Wohnung 2.
90

Entgegen der Ansicht der Kl√§ger ist nicht auf die Werte des Nieders√§chsischen Landesamtes f√ľr Statistik abzustellen. Zum einen teilt der Senat die Bedenken des Beklagten in Bezug auf die den Erhebungen zugrunde liegende Daten. Zum anderen ergibt sich bereits aus der Tatsache, dass die durchschnittliche Belegung lediglich rechnerisch aus der durchschnittlichen Vermietungsdauer hergeleitet wird, dass eine umfassende Erhebung der Belegungszahlen nicht stattgefunden hat.
91

Dar√ľber hinaus ist der Senat der Ansicht, dass jene Werte des Nieders√§chsischen Landesamtes f√ľr Statistik jedenfalls im Streitfall erheblich weniger valide sind als die Daten, die sich aus der Vermietung der weiteren Wohnungen in den Objekten S.-stra√üe 02 und 03 ergeben. Erzielt ‚Äď wie im Streitfall die Kl√§ger ‚Äď ein Steuerpflichtiger aus der Vermietung mehrerer ‚Äď in Bezug auf Lage, Gr√∂√üe, Ausstattung, Vermarktung etc. ‚Äď gleichwertiger Wohnungen Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung, so sind zur Ermittlung der Anzahl der orts√ľblichen Vermietungstage die konkreten Objektdaten heranzuziehen. Diese haben nicht nur einen h√∂heren Aussagewert. Vielmehr dr√§ngt sich in Anbetracht einer erheblich abweichenden Auslastung einer Wohnung in diesen F√§llen erst recht die Frage auf, ob diesbez√ľglich eine √úberschusserzielungsabsicht tats√§chlich besteht. Dies gilt jedenfalls dann, wenn keine Umst√§nde vorgetragen oder ersichtlich sind, die objektive Vermietungshindernisse darstellen und eine erheblich abweichende Auslastung begr√ľnden k√∂nnten.
92

Objektive Vermietungshindernisse in Bezug auf die Wohnung 2 haben die Kl√§ger nicht dargelegt. Die Nutzung zur Lagerung von Vorr√§ten oder zur Abwicklung von Mieterwechseln stellt kein objektives Vermietungshindernis dar. Die Kl√§ger selbst haben ausgef√ľhrt, dass die Wohnung jederzeit f√ľr Mieter verf√ľgbar war. Dies best√§tigt auch die Aussage der Kl√§ger, wonach die Vermietung der Wohnungen ab 2004 gleichm√§√üig erfolge.
93

Demgegen√ľber sind allgemeine statistische Daten √ľber die Auslastung vergleichbarer Wohnungen grunds√§tzlich erst dann heranzuziehen, wenn ‚Äď wie in dem der Entscheidung des Bundesfinanzhofes vom 26. Oktober 2004 zugrunde liegenden Streitfall (vgl. Urteil vom 26. Oktober 2004 IX R 57/02, BStBl II 2005, 388) ‚Äď keine anderen, aussagef√§higeren Daten zur Verf√ľgung stehen.
94

Aus der Formulierung des Bundesfinanzhofes, der in der genannten Entscheidung von orts√ľblichen Vermietungszeiten spricht, kann kein gegenteiliger Schluss gezogen werden. Orts√ľbliche Vermietungszeiten sind nicht lediglich solche, die anhand allgemein statistischer Erhebungen f√ľr den entsprechenden Ort und vergleichbare Wohnungen ermittelt werden. Orts√ľbliche Vermietungszeiten sind vielmehr auch solche, die sich anhand konkreter objektbezogener Daten des Steuerpflichtigen aus der Vermietung vergleichbarer Objekte ermitteln lassen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn ‚Äď wie im Streitfall ‚Äď keine Gr√ľnde vorgetragen oder erkennbar sind, wonach die vom Vermieter f√ľr die Vergleichsobjekte erzielten Werte atypisch sind.
95

Die vorgenannten Erw√§gungen lassen Zweifel an der √úberschusserzielungsabsicht der Kl√§ger in Bezug auf die Wohnung 2 aufkommen. Die daher im Streitfall durchzuf√ľhrende Prognoserechnung ist nicht geeignet, die Eink√ľnfteerzielungsabsicht der Kl√§ger in Bezug auf die Wohnung 2 nachzuweisen.
96

Der Senat ist der Auffassung, dass die auf einen Zeitraum von 30 Jahren zu erstreckende Prognoserechnung ihren Ausgangspunkt im Zeitpunkt der Anschaffung des Objektes (1991) haben muss. Die bis in das Jahr 2002 erzielten Verluste sind daher zu ber√ľcksichtigen. Eine weitere Prognose ist f√ľr die verbleibenden 18 Jahre anzustellen. Dabei ist der Senat in Anbetracht der bekannten durchschnittlichen Vermietungstage der Ansicht, dass durchschnittlich 60 Vermietungstage f√ľr die Wohnung 2 zugrunde zu legen sind. Die Darlegung der Kl√§ger, dass ab dem Jahr 2004 eine gleichm√§√üige Auslastung der Wohnungen erfolge, steht dem nicht entgegen. Hierbei handelt es sich ‚Äď falls die Behauptung zutreffend ist ‚Äď um einen Wechsel in der Art der Vermietung der Wohnung 2, die m√∂glicherweise dazu f√ľhren kann, dass ab dem Jahr 2004 eine √úberschusserzielungsabsicht vorliegt. F√ľr das Streitjahr 2003 ist dieser Umstand hingegen nicht von Bedeutung. In Bezug auf die Ausgaben folgt der Senat den Angaben der Kl√§ger in ihrer eigenen Prognoserechnung.
97

Danach ergeben sich folgende Werte:
98

Einnahmen 2003 ‚Äď 2021 Summe
99

geschätzt ..... EUR x 18 Jahre
100

.. EUR x 60 Tage = ….. EUR
101

+ 10 v. H. Sicherheitszuschlag ... EUR
102

gerundet ..... EUR
103

...... EUR
104

Ausgaben 2003 ‚Äď 2021
105

Lt. Kläger
106

Erhaltungsaufwendungen: ...... EUR x 18 = ..... EUR
107

Schönheitsreparaturen ...... EUR x 18 = ..... EUR
108

Kosten Vermietung ..... EUR x 18 = ....... EUR
109

AfA ….. EUR x 18 = …… EUR
110

Sonstige Aufwendungen 1.822 EUR x 18 = ....... EUR
111

= ......... EUR
112

./. 10 v. H. = ….... EUR
113

…… EUR
114

Verlust ....... EUR
115

Rechnet man fernerhin die Zinsaufwendungen 2003/2004 (lt. Kläger ......... EUR) und die Verluste aus den Jahren 1991 bis 2002 (gerundet ca. .......... DM, davon 29,2 v. H. = .......... DM = ........... EUR) hinzu, ergibt sich kein zu erwartender Überschuss aus der Vermietung der Wohnung 2. Die Kläger haben mithin in Bezug auf die Wohnung 2 im Objekt S.-straße 02 keine Überschusserzielungsabsicht nachgewiesen.
116

Der Senat erachtet schlie√ülich auch die H√∂he der vom Beklagten vorgenommenen K√ľrzung der Werbungskosten als rechtm√§√üig.
117

Die Kostenentscheidung folgt aus § 135 Abs. 1 FGO.
118

Die Revision war nicht zuzulassen. Die Voraussetzungen des ¬ß 115 FGO liegen nicht vor. Die Entscheidung weicht aus den dargelegten Gr√ľnden insbesondere nicht von der Rechtssprechung des Bundesfinanzhofes ab.
Klaus
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